Author Archives: lutzrenken
Bedingungen und Praxis der Sterbehilfe
Um die Bedingungen und Praxis der kontrovers diskutierten Sterbehilfe in Deutschland ging es am 11. Januar 2012 im Kulturzentrum PFL in Oldenburg. Der Humanistische Verband Oldenburg hatte zu diesem Vortragsabend mit anschließender Fragerunde eingeladen, zu dem zahlreiche Interessenten erschienen waren.
Käthe Nebel, Mitglied des Humanistischen Verbands und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, erklärte in ihrem Vortrag, dass die in diesem Zusammenhang häufig verwendete Bezeichnung „Selbstmord“ nicht zutreffend ist, da kein Mord im juristischen Sinne vorliegt. Richtig sei in diesem Zusammenhang die Verwendung der Begriffe „Suizid“ oder „Selbsttötung“. In ihrem rund 30-minütigen Referat stellte die engagierte Humanistin den Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe dar und berichtete über die Aktivitäten von derzeit drei praktizierenden Sterbehilfe-Organisationen in Deutschland und der Schweiz.
Die aktive Sterbehilfe ist die gezielte Verabreichung tödlich wirkender Substanzen auf Wunsch der betreffenden Person; das Präparat wird dabei nicht von der Person selbst zugeführt. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland ausnahmslos verboten und wird bestraft – in Europa wird nur in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg die aktive Sterbehilfe unter dezidierten Bedingungen erlaubt. Unter passiver Sterbehilfe versteht man den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen oder deren Beendigung, um ein leidvolles Sterben nicht zu verlängern – man lässt den natürlichen Sterbeprozess einfach geschehen. Nach einer in 2008 durchgeführten Meinungsbefragung der deutschen Bevölkerung durch das Institut für Demoskopie Allensbach befürworten rund 53 % die aktive Sterbehilfe, einer passiven Sterbehilfe stimmten rund 72 % der Befragten zu.
Die Aktivitäten von Organisationen wie „Dignitas” in der Schweiz fallen weder in die Kategorie passive noch aktive Sterbehilfe. Dem Betroffenen wird das Präparat nicht verabreicht, sondern lediglich zur Verfügung gestellt; der Patient nimmt die Substanz selbst ein. Es ist die Beihilfe zur Selbsttötung, die in der Schweiz und auch in Deutschland nicht strafbar ist. Nach Ansicht der deutschen Bundesärztekammer verstößt die Beihilfe zum Suizid jedoch gegen das ärztliche Ethos. Ärzten in Deutschland ist die Hilfeleistung zur Selbsttötung durch die Berufsordnung verboten. Es droht den zuwider handelnden Ärzten die Aberkennung der Approbation.
In ihrem Fazit führte Käthe Nebel an, dass sie persönlich ein gutes Gefühl habe mit der Vorstellung, dass die Bürger in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur das Recht auf Leben, sondern auch das selbstbestimmte Recht auf Tod hätten, wenn das Ende unmittelbar bevorstehe. Leider ist die derzeitige Realität häufig so, dass todkranke Menschen befürchten müssen, dass ihnen die Ärzte selbst auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin nicht helfen wollen oder können, um schmerzfrei aus dem Leben zu scheiden. Es sei zu hoffen, so Nebel unter breiter Zustimmung der Zuhörer, dass die Sterbehilfe auch in Deutschland liberalisiert wird.
Weiterführende Informationen rund um das Thema „Humanes Sterben“ gibt es unter
www.patientenverfuegung.de/humanes-sterben.
Im Kulturzentrum PFL in Oldenburg finden regelmäßig – jeweils am zweiten Mittwoch im Monat – Gesprächsabende des Humanistischen Verbands Oldenburg zu aktuellen Themen statt. Das nächste Treffen ist am 08. Februar 2012 um 19 Uhr zum Thema „Burnout – die moderne Erschöpfung? Menschen zwischen Selbstbestimmung und Überforderung.“
Autoren: Herbert Zinnow, Inke Winter
www.oldenburg.humanisten.de
JugendFEIER – eine über 150jährige Tradition 2012 wieder in Ostfriesland
JugendFEIER – eine über 150jährige Tradition 2012 wieder in Ostfriesland
Die JugendFEIER, früher auch Jugendweihe genannt, hat eine lange Tradition in Deutschland. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird sie als Alternative zur Konfirmation und Firmung für religionsfreie junge Menschen durchgeführt, damit die Jugendlichen den Schritt in das Erwachsenenleben mit einem würdigen Festakt begehen können. Sie stellt damit den weltlichen Gegenpart zu religiösen Aufnahmeritualen in die Gesellschaft dar.
Unter dem nationalsozialistischem Regime wurden Vereinigungen von Freidenkern verboten und damit auch deren Jugendweihe, die von den Nationalsozialisten übernommen und für eigene Zwecke missbraucht wurde. Es war nicht im Sinne des NS- Regimes, dass die jungen Menschen zu Freiheit in Denken und Handeln erzogen wurden. Während sich im Westen die Jugendweihen für religionsfreie Menschen nach Ende des 2. Weltkrieges wieder als freiwilliger Akt und Ausdruck eines selbstbestimmten Lebens etablierten, nutzte die DDR die Jugendweihe zu staatspolitischen Zwecken. Ende der 1980er Jahre wurde vielerorts die Jugendweihe in JugendFEIER umbenannt, um sich auch namentlich von der staatspolitischen Jugendweihe der DDR abzugrenzen.
Die Teilnahme an einer humanistischen JugendFEIER ist eine freie Entscheidung von Jugendlichen und verpflichtet nicht zu einer Mitgliedschaft im humanistischen Verband. Auch wird hier nicht, wie irrtümlich oft angenommen, ein Gelöbnis abgelegt, um einer politischen, religiösen oder sonstigen Ideologie zu folgen. Es ist vielmehr das Bekenntnis zu einer freien Lebensauffassung im Sinne des Humanismus. So wird zum Ende des Festaktes auch traditionell das Lied „Die Gedanken sind frei“ als Ausdruck für Freiheit und Unabhängigkeit gesungen.
In der Vorbereitungszeit beschäftigen sich die Jugendlichen mit Themen der Ethik und Philosophie. Ziel ist es, bei den jungen Menschen ein Bewusstsein für das eigene Denken und Handeln zu schaffen und zu lernen, Verantwortung zu übernehmen. Es sind die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben, frei von politischen oder religiösen Dogmen, die den Jugendlichen vermittelt werden. Gemeinsame Ausflüge und Wochenendfreizeiten runden das Programm ab. Der Festtag selbst wird von den Jugendlichen mitgestaltet. Wenn die jungen Erwachsenen in ihrer bunten Festgarderobe auf der Bühne stehen und selbstbewusst an das Mikrofon treten, spätestens dann wird den Eltern klar, dass aus ihren Kleinen ganz große Persönlichkeiten geworden sind.
Im Frühsommer dieses Jahres feierte der Ortsverband Hannover des Humanistischen Verbandes Niedersachsen seine 125. Jugendfeier im Theater am Aegi in Hannover. Über die Veranstaltung wurde in der Tagespresse und im NDR Fernsehen berichtet. Ein Zusammenschnitt des Filmbeitrags der TVN Group Hannover, die diese Feier in Bild und Ton dokumentarisch festhielt, ist auf YouTube unter „125 Jahre Jugendfeier“ zu sehen.
Mittlerweile gehören rund 35 % der Bevölkerung in Deutschland keiner Religion an, Tendenz steigend. Damit nimmt auch die Nachfrage nach Jugendfeiern für religionsfreie Jugendliche stetig zu. Um dem Bedürfnis nach einem Festakt für Jugendliche nachzukommen, bietet der Humanistische Verband Niedersachsen landesweit JugendFEIERn an.
Im Frühjahr 2012 wird es in Ostfriesland wieder eine Jugendfeier geben.
Gemeinsam mit dem Landesverband Niedersachsen und dem Regionalverband Weser Ems haben die Humanisten folgende Vorbereitung und Durchführung der JugendFEIER 2012 geplant:
- Infotreffen für Eltern- und TeilnehmerInnen am 09.01.2012 um 19.00 Uhr im Gruppenraum des Zentrums für junge Menschen, Alte Post in Emden (um Anmeldung wird gebeten!)
- Wochenende zum Kennenlernen und u.a. zum Thema Welt- und Menschenbilder am 11. und 12.02. in Oldenburg
- 2 Tagesseminare am 10.03. und 14.04. in Oldenburg (Themen: Genuss und Drogen; Kinder- und Menschenrechte)
- 1 Wochenendseminar am 17./18.03. in Osnabrück (Verantwortung und Zivilcourage)
- Vorbereitungstreffen für die Jugendfeier (Termin wird mit den TeilnehmerInnen vereinbart)
- JugendFEIER am 06.05.2012 in Emden
Nähere Informationen:
emden@humanisten.de
emden.humanisten.de
Eckhard Kühl (Vorsitzender HV Ostfriesland)
Tel. 04925-8725 (ab 19.00 h)
Autoren: Inke Winter, Lutz Renken
Humanistischer Verband Niedersachsen
JugendFEIER – eine über 150jährige Tradition 2012 wieder in Oldenburg
Die JugendFEIER, früher auch Jugendweihe genannt, hat eine lange Tradition in Deutschland. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird sie als Alternative zur Konfirmation und Firmung für religionsfreie junge Menschen durchgeführt, damit die Jugendlichen den Schritt in das Erwachsenenleben mit einem würdigen Festakt begehen können. Sie stellt damit den weltlichen Gegenpart zu religiösen Aufnahmeritualen in die Gesellschaft dar.
Unter dem nationalsozialistischem Regime wurden Vereinigungen von Freidenkern verboten und damit auch deren Jugendweihe, die von den Nationalsozialisten übernommen und für eigene Zwecke missbraucht wurde. Es war nicht im Sinne des NS-Regimes, dass die jungen Menschen zu Freiheit in Denken und Handeln erzogen wurden. Während sich im Westen die Jugendweihen für religionsfreie Menschen nach Ende des 2. Weltkrieges wieder als freiwilliger Akt und Ausdruck eines selbstbestimmten Lebens etablierten, nutzte die DDR die Jugendweihe zu staatspolitischen Zwecken. Ende der 80er Jahre wurde vielerorts die Jugendweihe in JugendFEIER umbenannt, um sich auch namentlich von der staatspolitischen Jugendweihe der DDR abzugrenzen.
Die Teilnahme an einer humanistischen JugendFEIER ist eine freie Entscheidung von Jugendlichen und verpflichtet nicht zu einer Mitgliedschaft im humanistischen Verband. Auch wird hier nicht, wie irrtümlich oft angenommen, ein Gelöbnis abgelegt, um einer politischen, religiösen oder sonstigen Ideologie zu folgen. Es ist vielmehr das Bekenntnis zu einer freien Lebensauffassung im Sinne des Humanismus. So wird zum Ende des Festaktes auch traditionell das Lied „Die Gedanken sind frei“ als Ausdruck für Freiheit und Unabhängigkeit gesungen.
In der Vorbereitungszeit beschäftigen sich die Jugendlichen mit Themen der Ethik und Philosophie. Ziel ist es, bei den jungen Menschen ein Bewusstsein für das eigene Denken und Handeln zu schaffen und zu lernen, Verantwortung zu übernehmen. Es sind die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben, frei von politischen oder religiösen Dogmen, die den Jugendlichen vermittelt werden. Gemeinsame Ausflüge und Wochenendfreizeiten runden das Programm ab. Der Festtag selbst wird von den Jugendlichen mitgestaltet. Wenn die jungen Erwachsenen in ihrer bunten Festgarderobe auf der Bühne stehen und selbstbewusst an das Mikrofon treten, spätestens dann wird den Eltern klar, dass aus ihren Kleinen ganz große Persönlichkeiten geworden sind.
Im Frühsommer 2011 feierte der Ortsverband Hannover des Humanistischen Verbandes Niedersachsen seine 125. Jugendfeier im Theater am Aegi in Hannover. Über die Veranstaltung wurde in der Tagespresse und im NDR Fernsehen berichtet. Ein Zusammenschnitt des Filmbeitrags der TVN Group Hannover, die diese Feier in Bild und Ton dokumentarisch festhielt, ist auf YouTube unter „125 Jahre Jugendfeier“ zu sehen.
Mittlerweile gehören rund 35 % der Bevölkerung in Deutschland keiner Religion an, Tendenz steigend. Damit nimmt auch die Nachfrage nach Jugendfeiern für religionsfreie Jugendliche stetig zu. Um dem Bedürfnis nach einem Festakt für Jugendliche nachzukommen, bietet der Humanistische Verband Niedersachsen landesweit JugendFEIERn an.
Im Frühjahr 2012 wird es in Oldenburg wieder eine Jugendfeier geben.
Gemeinsam mit dem Landesverband Niedersachsen und dem Regionalverband Weser Ems haben die Humanisten folgende Vorbereitung und Durchführung der JugendFEIER 2012 geplant:
- Infotreffen für Eltern- und TeilnehmerInnen am 12.01.2012 um 19.00 Uhr im Seminarraum 1 des PFL, Peterstr. 3, Oldenburg
- Wochenende zum Kennenlernen und u.a. zum Thema Welt- und Menschenbilder
- 2 Tagesseminare in Oldenburg (Themen: Genuss und Drogen; Kinder- und Menschenrechte)
- 1 Wochenendseminar in Osnabrück (Verantwortung und Zivilcourage)
- Vorbereitungstreffen für die Jugendfeier (Termin wird mit den TeilnehmerInnen vereinbart)
- JugendFEIER am 06.05.2012
Nähere Informationen:
oldenburg.humanisten.de
Peter Blohm (Vorsitzender HV Oldenburg)
Tel. (0441) 88 29 43
Autoren: Inke Winter, Lutz Renken
Humanistischer Verband Niedersachsen
Das Paradox der Freiheit konfessionsloser Menschen

Eine hohe Resonanz hatte der Vortrag „Motive und Ziele konfessionsfreier Menschen und Organisationen“ von Professor Dr. Robert Tielman
Tielman, emeritierter Hochschullehrer und ehemaliger Präsident der International Humanist Ethical Union (IHEU), unterstützte in den 1990er Jahren den Aufbau des Humanistischen Verbandes Deutschland in Berlin und war dort u.a. auch als Gastprofessor für Humanistische Lebenskunde tätig., der am 24. September im Kulturzentrum PFL in Oldenburg stattfand.
In seinem Vortrag sprach Tielman über die Grundsätze des Humanismus und die Notwendigkeit zur Organisation konfessionsfreier Menschen. Viele konfessionsfreie Menschen definieren Freiheit lediglich als Abwesenheit von Zwängen und als Unabhängigkeit von religiösen oder weltanschaulichen Organisationen.
Tielman zeigte jedoch deutlich auf, dass dieses Verständnis von Freiheit die Gegner der Freiheit stärkt, da diese Haltung den organisierten Institutionen, wie z.B. den Kirchen, ein Machtpotenzial gibt, das letztendlich zur Einschränkung der individuellen Selbstbestimmungsrechte aller führt. Das sei aber fernab von dem, was man eigentlich mit der Entscheidung für die Konfessionsfreiheit erreichen wollte. Er forderte in seiner Rede deshalb konfessionsfreie Menschen dazu auf, sich der Humanistischen Bewegung anzuschließen, um diese Rechte besser zu vertreten.
„Humanisten haben einen positiven Freiheitsbegriff, indem sie Regeln akzeptieren, die das Selbstbestimmungsrecht gesellschaftlich sicherstellen und gestalten. Positive Freiheit kann nur existieren, wenn man sich engagiert und organisiert. Das ist das Paradox der Freiheit!“, so Tielman. Der Weg dahin führe für Humanisten über die Einforderung der Gleichberechtigung und in Solidarität mit allen, die für das Recht ihrer individuellen Selbstbestimmung kämpfen.
Durch den Zusammenschluss konfessionsfreier Menschen zu dem Humanistisch Verbond in den Niederlanden hat die humanistische Weltanschauung dort mittlerweile eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und Gleichberechtigung auf vielen Gebieten erreichen können. Dazu gehört z.B. die humanistische Beratung als weltlicher Gegenpart zu kirchlichen Seelsorgern, humanistische Lebenskunde in Schulen als Alternative zu Religionsunterricht, die Einrichtung einer humanistischen Universität für die Ausbildung der Lehrer und Berater sowie die Gleichberechtigung bei Sendezeiten im öffentlichen Rundfunk. Zu den Aktivitäten humanistischer Organisationen gehört auch die Kritik an irrationalen Dogmen, wie z.B. das kirchliche Kondomverbot oder an der Sexual- und Entwicklungspolitik der Kirchen.
Nach einer lebhaften Diskussionsrunde im Anschluss an den Vortrag bedankte Tielman sich bei den Gastgebern in Deutschland. Er werde gern wiederkommen, um den Ausbau der humanistischen Weltanschauung in Deutschland zu unterstützen, von der er sich erhoffe, dass sie genauso erfolgreich sein wird wie auf internationaler Ebene.
Autoren: Lutz Renken, Inke Winter
Humanistischer Verband Niedersachsen





